Wie ökologisch eine Baumbestattung wirklich ist
Die Baumbestattung gilt als die grüne Bestattung. Ein Teil davon stimmt, ein Teil ist Werbung. Hier steht beides nebeneinander.
Eine Baumbestattung ist ökologisch besser als ein klassisches Wahlgrab, aber nicht aus dem Grund, den die Werbung nennt. Der Baum wächst ohnehin, er wird nicht für Sie gepflanzt und er gleicht kein Leben aus.
Der echte Vorteil liegt woanders: kein Grabstein aus importiertem Granit, keine Grabpflege mit Wechselbepflanzung, Wasser und Fahrten, keine Flächenversiegelung. Der größte ökologische Posten bleibt in jedem Fall die Kremation.
Der größte Posten bleibt die Kremation
Jede Baumbestattung setzt eine Einäscherung voraus. Ein Einäscherungsvorgang verbraucht Energie, in Deutschland meist Erdgas, und braucht je nach Anlage rund eineinhalb Stunden bei etwa 850 bis 1.000 Grad. Das ist der mit Abstand größte Umweltposten einer Feuerbestattung und er fällt bei jeder Urnenbeisetzung an, gleich ob im Wald oder auf dem Friedhof.
Moderne Krematorien in Deutschland arbeiten mit Wärmerückgewinnung und mit gesetzlich vorgeschriebener Abgasreinigung, unter anderem zur Abscheidung von Quecksilber aus Zahnamalgam. Diese Filterpflicht besteht seit den späten 1990er Jahren und hat die Emissionen deutlich gesenkt.
Eine Erdbestattung ohne Kremation hat an dieser Stelle den Vorteil. Sie verliert ihn dann bei Sarg, Grabstein, Grabpflege und Flächennutzung wieder. Wer eine Bestattung ökologisch optimieren will, hat also keine offensichtliche Antwort, sondern eine Abwägung.
Was tatsächlich besser ist
- Kein Grabstein. Ein durchschnittlicher Grabstein wiegt mehrere hundert Kilogramm. Ein erheblicher Teil des in Deutschland verbauten Grabsteingranits wird importiert, teils über sehr weite Strecken. Dieser Posten entfällt vollständig.
- Keine Grabpflege. Zweimal jährlich Wechselbepflanzung, Gießwasser über zwanzig Jahre, Fahrten zum Friedhof, Torf in der Blumenerde. Über die Ruhezeit summiert sich das zu einem realen Posten.
- Keine versiegelte oder umgestaltete Fläche. Der Wald bleibt Wald. Kein Kies, keine Wegplatten, keine Rasenfläche mit Mähbetrieb.
- Der Baum bleibt stehen. Bäume mit Beisetzungen werden nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Über 99 Jahre entsteht dadurch faktisch ein Stück Wald, das aus der Nutzung genommen ist.
- Vollständig abbaubare Urne. Keine Rückstände im Boden, anders als bei Metall- oder Keramikurnen auf manchen Friedhöfen.
Wo das Marketing anfängt
Drei Aussagen begegnen uns regelmäßig und alle drei halten einer Prüfung nicht stand.
- „Aus Ihrer Asche wächst ein Baum.“ Bei der klassischen Baumbestattung im Bestattungswald stimmt das nicht. Der Baum steht seit Jahrzehnten, die Urne kommt an seine Wurzeln. Nur bei BaumFrieden und Evertree entsteht tatsächlich ein neuer Baum.
- „Sie gleichen Ihren CO₂-Fußabdruck aus.“ Ein einzelner Baum bindet über Jahrzehnte eine überschaubare Menge Kohlenstoff. Gegen die Lebensemissionen eines Menschen in Mitteleuropa ist das kein Ausgleich. Die Aussage ist Werbung, nicht Bilanz.
- „Die ökologischste Bestattung überhaupt.“ Das lässt sich nicht belegen, solange die Kremation Teil des Verfahrens ist. Ehrlicher wäre: eine Bestattung, bei der nach der Beisetzung nichts mehr an Ressourcen verbraucht wird.
Eine Baumbestattung ist eine Bestattung, die nach dem Tag der Beisetzung keine weiteren Ressourcen verbraucht. Kein Stein, keine Pflege, keine Fläche. Das ist ein echter Vorteil und er reicht als Argument vollkommen aus. Er braucht keine CO₂-Rechnung, die nicht aufgeht.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Bei der klassischen Baumbestattung im FriedWald oder RuheForst nicht. Dort wird die Urne an den Wurzeln eines bereits vorhandenen Baumes beigesetzt. Ein neuer Baum entsteht nur bei BaumFrieden, wo die Asche in den Niederlanden einem jungen Baum beigegeben wird sowie bei der Evertree-Urne, aus der eine Pflanze oder ein Baum wächst.
Bei der Kremation hat die Erdbestattung einen Vorteil, weil kein Einäscherungsvorgang nötig ist. Sie verliert ihn bei Sarg, Grabstein, Grabpflege und Flächennutzung über die gesamte Ruhezeit wieder. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, sondern eine Abwägung zwischen einem großen einmaligen Posten und vielen kleinen dauerhaften.
Nein. Die Asche eines Menschen besteht überwiegend aus mineralischen Bestandteilen, im Wesentlichen Calcium- und Phosphatverbindungen. Die Menge ist klein und verteilt sich über Jahre. Deutsche Krematorien sind zudem gesetzlich zur Abscheidung von Quecksilber aus Zahnamalgam verpflichtet, dieser Anteil gelangt also nicht in die Urne.
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