FriedWald oder RuheForst: was unterscheidet sie
FriedWald und RuheForst sind keine Bestattungsarten, sondern zwei Anbieter. Was sie unterscheidet, ist weniger spektakulär und praktisch wichtiger, als viele denken.
FriedWald und RuheForst sind Markennamen zweier Betreiber, nicht zwei verschiedene Bestattungsarten. Beide betreiben Bestattungswälder, in denen Urnen an Baumwurzeln beigesetzt werden, beide sind rechtlich als Friedhof gewidmet, bei beiden gilt der Baumplatz in der Regel 99 Jahre.
Die Unterschiede liegen im Detail: bei der Vergabe der Plätze, der Zahl der Beisetzungen je Baum, der Beschilderung und den Gebühren. Für Ihre Entscheidung zählt fast immer etwas anderes, nämlich welcher Wald näher liegt und wie die Wege dort beschaffen sind.
Was beide gemeinsam haben
Der erste Bestattungswald Deutschlands entstand 2001 im Reinhardswald in Nordhessen, betrieben von FriedWald. RuheForst folgte kurz darauf mit demselben Grundgedanken. Inzwischen gibt es über 90 solcher Wälder in Deutschland.
- Nur Urnen, keine Särge. Der Körper wird eingeäschert, die Asche kommt in eine biologisch abbaubare Urne. Erdbestattungen gibt es im Bestattungswald nicht.
- Keine Grabpflege, keine Grabsteine, keine Grabhügel. Der Wald bleibt Wald. Nach der Beisetzung schließt sich der Boden, nach wenigen Wochen sieht man nichts mehr.
- Der Baum bleibt stehen. Bäume mit Beisetzungen werden nicht gefällt, auch nicht forstwirtschaftlich genutzt.
- Rechtlich ein Friedhof. Nur deshalb ist die Beisetzung dort überhaupt zulässig. Der Friedhofszwang gilt in Deutschland auch für Asche.
- Nutzungszeit meist 99 Jahre. Deutlich länger als die Ruhezeit auf einem kommunalen Friedhof, die je nach Satzung bei zwanzig bis dreißig Jahren liegt.
Wo sie sich tatsächlich unterscheiden
Die Unterschiede sind real, aber kleiner, als die Marketingauftritte vermuten lassen. Und sie variieren von Standort zu Standort, weil beide Betreiber mit unterschiedlichen Waldeigentümern zusammenarbeiten.
| Punkt | FriedWald | RuheForst |
|---|---|---|
| Wer betreibt | FriedWald GmbH, meist in Pacht von Kommunen und Forstbetrieben | RuheForst GmbH mit regionalen Lizenznehmern, oft Kommunen selbst |
| Baumarten | Bestehende Waldbäume, überwiegend Laubbäume | Bestehende Waldbäume, je nach Standort auch Nadelholz |
| Plätze je Gemeinschaftsbaum | Je nach Baum in der Regel rund zehn | Je nach Baum und Standort ähnlich |
| Namenskennzeichnung | Kleines Namensschild am Baum, optional | Kleines Namensschild am Baum, optional |
| Preisgestaltung | Bundesweit weitgehend einheitliche Struktur | Regional unterschiedlich, weil Lizenznehmer kalkulieren |
| Anzahl Standorte | Deutschlandweit die größere Zahl | Regional konzentriert, in manchen Ländern stärker vertreten |
Fahren Sie beide Wälder an, die in Ihrer Nähe liegen, und entscheiden Sie vor Ort. Der Unterschied zwischen zwei konkreten Wäldern ist fast immer größer als der zwischen den beiden Marken. Auf welchem Betreiberschild das steht, merkt später niemand mehr.
Naturfriedhof und Waldfriedhof: die stillen Alternativen
Neben den beiden bekannten Marken gibt es zwei Varianten, die seltener beworben werden und für viele Familien praktischer sind.
Der Naturfriedhof
Ein Naturfriedhof ist ein eigenständiger Friedhof in naturnaher Lage mit eigener Satzung, betrieben von einer Kommune oder einem privaten Träger. Die Regeln zu Grabschmuck, Namenstafeln und Vergabe sind oft etwas gelockert gegenüber dem Bestattungswald. Ein Beispiel ist der Naturfriedhof Traisa bei Darmstadt.
Das Baumgrabfeld auf dem kommunalen Friedhof
Immer mehr Städte richten auf ihren Friedhöfen Baumgrabfelder oder pflegefreie Urnengemeinschaftsanlagen unter Bäumen ein. Rechtlich ist das eine Grabart nach der örtlichen Friedhofssatzung, kein Bestattungswald.
Wenn Angehörige das Grab regelmäßig besuchen sollen und der nächste Bestattungswald 30 Kilometer entfernt liegt. Ein Baumgrab auf dem Friedhof im Ort, zu Fuß erreichbar, wird über zwanzig Jahre öfter besucht als der schönste FriedWald eine Autostunde entfernt. Der Preis liegt meist niedriger, die Ruhezeit dafür bei zwanzig bis dreißig Jahren statt 99.
Woran Sie den richtigen Wald erkennen
Fahren Sie hin. Das ist der einzige Rat, der wirklich zählt. Achten Sie dabei auf sechs Dinge, die in keinem Prospekt stehen.
- Der Weg vom Parkplatz zum Baum. Wie weit, wie steil, wie fest? Denken Sie an die älteste Person in Ihrer Familie, nicht an sich selbst.
- Der Zustand bei schlechtem Wetter. Ein Waldweg im November ist ein anderer Ort als im Mai. Fahren Sie wenn möglich an einem Regentag hin.
- Parkplätze. Wie viele Autos passen hin, wenn 30 Menschen zur Beisetzung kommen?
- Anbindung ohne Auto. Gibt es eine Bushaltestelle, einen Bahnhof? Für die nächsten zwanzig Jahre ist das relevanter als am Beisetzungstag.
- Der Andrang. Manche Wälder sind an Wochenenden gut besucht. Wenn Sie Stille suchen, ist das ein Punkt.
- Ihr eigenes Gefühl. Am Ende entscheidet, ob Sie sich vorstellen können, dass hier jemand liegt, der Ihnen wichtig ist.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Nein, beide arbeiten nach demselben Prinzip und unterscheiden sich vor allem in Details der Vergabe und der Gebühren. Für Ihre Entscheidung ist praktisch immer wichtiger, welcher der beiden Wälder näher liegt und wie die Wege dort beschaffen sind. Fahren Sie beide an, bevor Sie sich festlegen.
In der Regel 99 Jahre ab dem Erwerb des Nutzungsrechts. Danach fällt der Platz an den Wald zurück. Auf einem kommunalen Friedhof gilt dagegen die Ruhezeit der örtlichen Satzung, meist zwanzig bis dreißig Jahre, die anschließend kostenpflichtig verlängert werden muss.
Grundsätzlich nicht dauerhaft. Bestattungswälder sind Wirtschafts- und Naturwald, Grabschmuck würde das Bild verändern und im Boden zurückbleiben. Ein Strauß Naturblumen am Beisetzungstag ist meist erlaubt, er wird anschließend wieder entfernt. Kerzen sind wegen der Brandgefahr überall untersagt. Auf Naturfriedhöfen und kommunalen Baumgrabfeldern sind die Regeln oft lockerer.
Jeder Baum trägt eine Nummer, die in den Unterlagen steht und im Waldplan verzeichnet ist. Viele Betreiber stellen zusätzlich Übersichtskarten an den Eingängen auf. Wenn Sie möchten, wird ein kleines Namensschild am Baum angebracht. Wir empfehlen, den Weg einmal gemeinsam zu gehen und die Wegmarken zu notieren.
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